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<title>Verbalvertrag</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Verbalvertrag</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Der <b>Verbalvertrag</b> war im <a href="R%C3%B6misches_Recht" title="Römisches Recht">römischen Recht</a> ein klagbarer Schuldvertrag, der dadurch zustande kam, dass die Vertragsparteien sich im Rahmen eines speziellen <a href="Form_(Recht)" title="Form (Recht)">Formakts</a> mündlich <a href="Willenserkl%C3%A4rung" title="Willenserklärung">erklärten</a> (wortförmliches Schuldversprechen).<sup id="cite_ref-Selb_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Selb-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Hauptanwendungsfall des Verbalkontraktes war die <a href="Stipulation" title="Stipulation">Stipulation</a>, der älteste und am häufigsten auftretende Schuldvertrag des <i><a href="Ius_civile" title="Ius civile">ius civile</a></i>,<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> bekannt bereits seit dem <a href="Zw%C3%B6lftafelgesetz" title="Zwölftafelgesetz">Zwölftafelgesetz</a>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es wird in der rechtsgeschichtlichen Forschung davon ausgegangen, dass Verbalverträge einer bereits uralten <a href="Augur" title="Augur">Auguralpraxis</a> entstammen.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei gleichzeitiger Anwesenheit einigten sich die Parteien, die <a href="R%C3%B6misches_B%C3%BCrgerrecht" title="Römisches Bürgerrecht">römische Bürger</a> sein mussten, über ein Leistungsversprechen in Frage- und Antwortform (<i>conventio</i>). Dieses Leistungsversprechen konnte einseitige Rechtsgeschäfte umfassen, so Schenkungsversprechen, Garantieabreden oder Darlehensgewährungen, ebenso auch schuldrechtliche Novationen.
</p><p>Bevor die erst später entstandenen <a href="Konsensualvertrag" title="Konsensualvertrag">Konsensualkontrakte</a> zum Zuge kamen, erfassten Verbalverträge auch <a href="Synallagma" title="Synallagma">wechselseitige</a> Rechtsverhältnisse wie den <a href="Kaufvertrag#Geschichte_des_Kaufvertrags" title="Kaufvertrag">Kauf</a> und außerhalb des <a href="Numerus_clausus_(Recht)" title="Numerus clausus (Recht)">Typenzwangs</a> liegende Rechtsgeschäfte. Da die Stipulation ein streng einseitiges Rechtsgeschäft war, wurden wechselseitige Verbindlichkeiten – wie der Kaufvertrag – durch zwei Formalakte dienstbar gemacht. Die Abwicklungschritte wurden aufgeteilt: im ersten Schritt wurde die „Warenstipulation (<a href="Leistung_(Recht)#Im_schuldrechtlichen_Sinne" title="Leistung (Recht)">Leistungstyp</a>)“ vollzogen. Sodann wurde bezahlt, indem in einem ebenso förmlichen Akt die „Preisstipulation (<a href="Gegenleistung" title="Gegenleistung">Gegenleistungstyp</a>)“ vollzogen wurde. Beide Geschäftsteile waren so aufeinander bezogen, dass das wechselseitige Geschäft, der Kaufvertrag, zustande kam.<sup id="cite_ref-Selb_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Selb-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Geschäft wurde methodisch im <a href="Frage-Antwort-System" title="Frage-Antwort-System">Frage-Antwort-System</a> vollzogen: „<i>Versprichst Du, dass Du geben wirst?</i>“, „<i>Ich verspreche.</i>“.
</p><p>Verbalkontrakte wurden auch zu <a href="B%C3%BCrgschaft" title="Bürgschaft">Bürgschaftszwecken</a> verabredet. Die Bürgschaft – als <i>sponsio</i> war sie dem <a href="R%C3%B6misches_B%C3%BCrgerrecht" title="Römisches Bürgerrecht">römischen Bürger</a> vorbehalten, als <i>fidepromissio</i> betraf sie Nichtbürger – war <a href="Akzessoriet%C3%A4t" title="Akzessorietät">akzessorisch</a>, denn gegenüber dem Gläubiger haftete der Hauptschuldner bereits aus dem zugrundeliegenden Kausalgeschäft, welches selbst durch Stipulation begründet worden war. Der Bürge wurde vom Gläubiger gefragt, ob er dasselbe verspreche, was der Schuldner versprochen habe (<i>idem quod ... promisit spondesne?</i>), woraufhin der Bürge, gleichlautend zum Gläubiger des zu sichernden Vertrages, mit <i>spondeo</i> (=<i>ich verspreche</i>) quittierte.<sup id="cite_ref-Selb_1-2" class="reference"><a href="#cite_note-Selb-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ein weiterer Verbalkontrakt war die <i>dictio dotis</i>,<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> ein <a href="Dotalsystem" title="Dotalsystem">Dotalversprechen</a> (treuhänderische Übertragung des Eigentums der Frau nebst <a href="Mitgift" title="Mitgift">Mitgiftverwaltung</a>), das nicht, wie die Stipulation, eine Antwort auf die vorhergehende Frage des Gläubigers enthielt. Der Empfänger gab hier keine Erklärung ab, band sich aber gleichwohl. Der Versprechende formulierte etwa: <i>dotis filiae meae tibi erunt sestertium milia centum</i> (übersetzt: <i>als Mitgift für meine Tochter sollen Dir 100.000 Sesterzen zukommen</i>).<sup id="cite_ref-Selb_1-3" class="reference"><a href="#cite_note-Selb-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Einseitig war auch der Formalakt bei <a href="Eid" title="Eid">eidlichen</a> Verpflichtungen von <a href="Freigelassene_im_R%C3%B6mischen_Reich" title="Freigelassene im Römischen Reich">Freigelassenen</a>, ihrem <a href="Patronat_(R%C3%B6mer)" title="Patronat (Römer)">Schutzherrn</a> (<i>patronus</i>) mit Dienstleistungen gefällig zu sein (<i>promissio operarum</i>).<sup id="cite_ref-Selb_1-4" class="reference"><a href="#cite_note-Selb-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Klagen bei Verbalverträgen waren <a href="Ius_strictum" title="Ius strictum">strengrechtlich</a>. Es konnten <a href="Condictio" title="Condictio">bereicherungsrechtliche</a> Ansprüche verfolgt werden, auch war der Klagetyp der <i>actio ex stipulatio</i> zulässig. Die Parteien mussten ihre Vertragsinhalte präzise und bestimmt formulieren, damit die Klage nicht abgewiesen wurde, denn den Geschworenen waren keinerlei Entscheidungsspielräume eingeräumt gewesen. Die strenge Gebundenheit war auch der Grund für eine später einsetzende Rechtsentwicklung, die dem Institut der Stipulation im <a href="Klassik_(Jurisprudenz)" title="Klassik (Jurisprudenz)">klassischen Recht</a> die Befüllung von Rechtslücken zuwies, Lücken, die durch andere Vertragstypen nicht abgedeckt werden konnten, etwa Vertragsumgestaltungen. Über die Eigenschaft als bloßes Annexinstitut hinaus, führte das Vertragsschutzbedürfnis des Rechtsverkehrs letztlich dazu, dass das Verbalvertragssystem aufgegeben wurde. Die apriorische Festlegung auf eine vollstreckungsfähige Leistungsformel hatte den Verkehr nicht unerheblich behindert.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Abgrenzung">Abgrenzung</h2></div>
<p>Für das römische <a href="Obligation_(Recht)" title="Obligation (Recht)">Obligationenrecht</a> gilt es Unterscheidungen zu treffen. Der Verbalvertrag ist einerseits gegen den erst später entstandenen <a href="Konsensualvertrag" title="Konsensualvertrag">Konsensualvertrag</a>, der formlose Willenserklärungen einführte, abzugrenzen. Letzterer verdrängte den an altem Brauchtum hängenden Verbalvertrag während der <a href="R%C3%B6mische_Kaiserzeit" title="Römische Kaiserzeit">mittleren Kaiserzeit</a>. Weitere Vertragsformen waren der <a href="Realvertrag" title="Realvertrag">Realvertrag</a>, der an der Hingabe einer Sache hing und aus der lediglich <a href="Besitzmittler" title="Besitzmittler">besitzmittelnde</a> Berechtigungen abgeleitet werden konnten. Weiterhin abzugrenzen ist gegenüber dem <a href="Litteralvertrag" title="Litteralvertrag">Litteralvertrag</a>, bei dem Buchungen im Hausbuch vorgenommen wurden.
</p><p>Wie auch der Real- und der Litteralvertrag, geht der Verbalvertrag auf die Zeit der <a href="R%C3%B6mische_Republik" title="Römische Republik">späten Republik</a> zurück.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Jan_Dirk_Harke" title="Jan Dirk Harke">Jan Dirk Harke</a>: <i>Römisches Recht. Von der klassischen Zeit bis zu den modernen Kodifikationen</i>. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57405-4 (<i>Grundrisse des Rechts</i>), § 4 (Rnr. 16 f.; 20 ff.).</li>
<li><a href="Herbert_Hausmaninger" title="Herbert Hausmaninger">Herbert Hausmaninger</a>, <a href="Walter_Selb" title="Walter Selb">Walter Selb</a>: <i>Römisches Privatrecht</i>, Böhlau, Wien 1981 (9. Aufl. 2001) (Böhlau-Studien-Bücher) ISBN 3-205-07171-9, S. 208–211.</li>
<li><a href="Heinrich_Honsell" title="Heinrich Honsell">Heinrich Honsell</a>: <i>Römisches Recht.</i> 5.&nbsp;Auflage, Springer, Zürich 2001, ISBN 3-540-42455-5, S. 101.</li>
<li><a href="Max_Kaser" title="Max Kaser">Max Kaser</a>: <i>Divisio obligationum</i>. In: Max Kaser: <i>Rämische Rechtsquellen und angewandte Juristenmethode</i>. Köln, u&nbsp;a. 1986. S. 155–172.</li>
<li><a href="Ulrich_Manthe" title="Ulrich Manthe">Ulrich Manthe</a>: <i>Geschichte des römischen Rechts</i> (= <i>Beck’sche Reihe.</i> 2132). Beck, München 2000, ISBN 3-406-44732-5, S. 26–28.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Selb-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Selb_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Selb_1-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Selb_1-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Selb_1-3">d</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Selb_1-4">e</a></sup></span> <span class="reference-text">Herbert Hausmaninger, Walter Selb: <i>Römisches Privatrecht</i>, Böhlau, Wien 1981 (9. Aufl. 2001) (Böhlau-Studien-Bücher) ISBN 3-205-07171-9, S. 208–211.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Heinrich Honsell: <i>Römisches Recht.</i> 5.&nbsp;Auflage, Springer, Zürich 2001, ISBN 3-540-42455-5, S. 101.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Gaius_(Jurist)" title="Gaius (Jurist)">Gaius</a> 4,17a.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Ulrich_Manthe" title="Ulrich Manthe">Ulrich Manthe</a>: <i>Geschichte des römischen Rechts</i> (= <i>Beck’sche Reihe.</i> 2132). Beck, München 2000, ISBN 3-406-44732-5, S. 26–28.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. auch Gaius 3,92.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Rudolf_Leonhard_(Jurist)" title="Rudolf Leonhard (Jurist)">Rudolf Leonhard</a>: <i><a href="https://de.wikisource.org/wiki/RE:Dictio_dotis" class="extiw external" title="s:RE:Dictio dotis">Dictio dotis</a>.</i> In: <i><a href="Paulys_Realencyclop%C3%A4die_der_classischen_Altertumswissenschaft" title="Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft">Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft</a></i> (RE). Band V,1, Stuttgart 1903, Sp.&nbsp;390–392.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Jan Dirk Harke: <i>Römisches Recht. Von der klassischen Zeit bis zu den modernen Kodifikationen</i>. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57405-4 (<i>Grundrisse des Rechts</i>), § 4 (Rnr. 22 f.).</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Pandekten" title="Pandekten">Digesten</a> 46,3,80.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Vergleiche auch: Max Kaser: <i>Römische Rechtsquellen und angewandte Juristenmethode.</i> in: <i>Forschungen zum Römischen Recht.</i> Band 36. Verlag Böhlau, Wien, Köln, Graz, 1986. ISBN 3-205-05001-0. S. 160 ff.</span>
</li>
</ol>
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